1934-1936
Im März 1934 begannen die Abrissarbeiten der Tribünenbauten der Pferderennbahn und des Deutschen Stadions. Die Erdmassen, die bei der Aushebung der Grube anfielen, fanden beim Bau der westlichen Haupttribüne am Maifeld Verwendung. Zum Bauherrn hatte Hitler das Reichsinnenministerium bestimmt. Zu diesem Zeitpunkt wurden die Brüder Werner und Walter March noch als gemeinsame Architekten genannt. Später wurde Werner March die Gesamtleitung für das Projekt übertragen. Die Bauausführung hinkte dem Terminplan von Anfang an hinterher.
Der Staatssekretär Pfundtner sorgte bei den beteiligten Bauunternehmen für Druck, indem er drohte, Firmen, die dem Mehrschichtbetrieb nicht gewachsen sind oder aus sonstigen Gründen Widerstand entgegensetzen, sofort durch andere zu ersetzen. Weiterhin waren die Bauunternehmen verpflichtet, nur „wirtschaftsfriedliche Arbeiter deutscher Staatsangehörigkeit und arischer Abstammung“ zu beschäftigen. Während im April 1935 die Zahl der Beschäftigten noch 1.500 betrug, wurden im Juli 1935 bereits 2.064 Arbeiter registriert, um den zeitlichen Rückstand des Bauvorhabens aufzuholen.
Zeitweise waren auf dem Reichssportfeld 500 Firmen mit bis zu 2.600 Personen beschäftigt. Über die Gesamtkosten der Baumaßnahmen für das Olympiagelände gibt es keine genauen Angaben. Es gibt jedoch Hinweise, wonach mindestens 27 Millionen Mark aufgewendet wurden. Die Lücke zur geplanten staatlichen Finanzierung wurde durch Spenden und den Zugriff auf Mittel aus dem Arbeitsbeschaffungsprogramm geschlossen. Für den Ausbau und die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur hatte die Stadt zwölf Millionen Mark ausgegeben.
schliessen1936
Am 1. August 1936 wurden die XI. Olympischen Sommerspiele im Olympiastadion eröffnet und mit einer großen Abschlussveranstaltung am 16. August 1936 beendet. 3.956 Sportler, davon 328 Frauen, aus 49 Nationen nahmen an den Wettkämpfen teil. Während der olympischen Spiele zeigte sich die Reichshauptstadt in ihrem Festkleid. Bereits 1932 hatte Adolf Hitler dem deutschen IOC-Mitglied Karl Ritter von Halt mitteilen lassen, dass die NSDAP den Olympischen Spielen von 1936 „keine Schwierigkeiten bereiten und sich auch der Beteiligung Farbiger bei diesen Wettkämpfen nicht widersetzen werde“. Die SA hatte Anweisungen, zwischen dem 30. Juni und dem 1. September 1936 jegliche antisemitischen Übergriffe zu unterlassen. Erfolg- reichster Athlet wurde James Cleveland „Jesse“ Owens, der vier Goldmedaillen gewann. Über die 100m, 200m, im Weitsprung und der 4x100m-Staffel war er erfolgreich. Die inoffizielle Nationenwertung führte Deutschland mit 33 Gold-, 26 Silber- und 30 Bronzemedaillen vor den Vereinigten Staaten von Amerika (24/29/12) und Ungarn (10/1/5) an. Neben den positiven Eindrücken der sportlichen Wettkämpfe wurden im Ausland aber auch kritische Stimmen laut, die das terroristische Regime hinter der schönen Fassade erkannten. Nach den Olympischen Spielen war das Reichssportfeld jährlich der Schauplatz von 20 bis 25 Großveranstaltungen. Die Hochschule für Leibesübungen hatte ihren Betrieb einstellen müssen, stattdessen wurde auf Befehl Hitlers am 15. April 1936 die Reichsakademie für Leibesübungen ins Leben gerufen. Studienassessoren sollten eine „reichseinheitliche Führerausbildung auf dem Gebiete der körperlichen Erziehung“ erhalten, praktisch ging es jedoch um den paramilitärischen SA-Sport.
schliessen1937-1945
Das erste Finale um die Deutsche Fußball-Meisterschaft wurde am 20. Juni 1937 ausgespielt. Der FC Schalke 04 besiegte den 1.FC Nürnberg mit 2:0. Am 28. September 1937 marschierten hunderttausende Anhänger des Hitler-Regimes mit Fackeln über das Maifeld, um den italienischen Staatschef Mussolini zu empfangen. Während der ersten Kriegsjahre fanden „Kriegsmeisterschaften“, HJ- und Wehrmachtssportfeste statt und das Olympiastadion spielte eine wichtige Rolle bei der Betreuung der Truppen. Das Reichssportfeld war schon früh auf den Krieg vorbereitet worden. Im Bereich des Marathontunnels hatte man eine Betondecke sowie Trennwände eingezogen, um die Katakomben als Bunker herzurichten. Bei Kriegsbeginn produzierte hier die Firma Blaupunkt Zünder für Flugabwehrwaffen. Als sich Ende 1944 die Bombennächte häuften, wurden die unterirdischen Gänge des Stadions als Ausweichquartier für den Großdeutschen Rundfunk vorbereitet. Im Nordhaus am Olympischen Platz wurde Munition gelagert, in anderen Gebäuden Nahrungsmittel und große Vorräte Wein. Der Olympische Platz war einer von zehn Orten in Berlin, an denen am 12. November 1944 Hitlers letztes Aufgebot vereidigt wurde.
schliessen1945
Nur wenige Tage nach der bedingungslosen Kapitulation im Mai 1945 begannen die Aufräumarbeiten auf dem Reichssportfeld. Das Gelände war von Bombentrichtern übersät, Mauerteile waren herabgestürzt, überall lagen leere Munitionskisten, ausgebranntes Gerät, Barrikaden und Leichen. Die Gebäude des Sportforums zeigten Spuren großer Zerstörung, die „Stadion-Terassen“ lagen in Trümmern. Tagelang schwelte die Maifeldtribüne, in der sich das Reichsfilmarchiv, das dort eingelagert worden war,
entzündet hatte. Das Feuer griff auf den Glockenturm über, der völlig ausbrannte. Auch das Nordhaus am Olympischen Platz wurde erst nachträglich zerstört, als die dort eingelagerte Munition explodierte. Carl Diem, u.a. Generalsekretär des Organisationskomitees für die Olympischen Spiele von 1936, ernannte sich zum Direktor der Reichssportfeldverwaltung und begann mit den ehemaligen Angestellten mit den ersten Aufräumarbeiten. Nachdem zwischenzeitlich die Rote Armee das Haus
des Deutschen Sports besetzt und dort eine Kaserne eingerichtet hatte, ließ Diem am 20. Juni 1945 das weitgehend unzerstörte Schwimmstadion für die Bevölkerung öffnen, die davon sofort regen Gebrauch machte. Nach dem Abzug der Roten Armee besetzte eine britische Einheit am 1. Juli 1945 das Reichssportfeld. Ab sofort gab es keinen öffentlichen Betrieb mehr im Olympiastadion, da die Briten die Anlagen, mit Ausnahme der zerstörten Stadionterrassen, für sich beanspruchten.
schliessen1946-1956
Das erste Mal öffneten die Briten das Stadion für das „Acht-Nationen-Sportfest“, die Leichtathletikmeisterschaften der alliierten Soldaten, am 7. und 8. September 1946. Am 15. Februar 1947 verlor das Olympiagelände vorübergehend sein Wahrzeichen. Auf Anordnung der britischen Militärregierung wurde der ausgebrannte Glockenturm wegen Baufälligkeit gesprengt. Der Mantel der Glocke bekam beim Sturz auf den Vorhof einen langen Riss. Um die Glocke vor dem Zugriff von Metalldieben zu schützen, wurde sie im Mai 1947 von britischen Pionieren auf dem Vorplatz vergraben. In der Freilichtbühne, die fortan „Waldbühne“ genannt wurde, bestritt Ex-Schwergewichtsweltmeister Max Schmeling am 31. Oktober 1948 vor 24.000 Zuschauern seinen letzten Boxkampf. Nach und nach gingen Teile des Reichssportfeldes an die Deutschen Behörden zurück. Das Olympiastadion wurde am 12. Juni 1949 übergeben. Genau ein Jahr später beschloss der Berliner Senat die Umbenennung des Reichssportfeldes in „Olympiastadion“. Die Hebung der Glocke erfolgte am 18. Dezember 1956 auf Bestreben Werner Marchs. Er erreichte den Wiederaufbau des Glockenturms, der nach zweijähriger Bauzeit 1962 fertig gestellt wurde. Die Höhe des neuen Turms beträgt 77,17m, einen Meter mehr als sein Vorgänger. Im Rahmen des Wiederaufbaus wurde nahezu unreflektiert auch die Langemarckhalle im Mittelgeschoss wieder aufgebaut. Sie war von den Nationalsozialisten im Gedenken an die Toten der Schlacht von Langemarck errichtet und bei der Sprengung 1947 ebenfalls zerstört worden.
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